Hauptvorträge

  • Christine Knipping

    Christine Knipping

    Universität Bremen

    Argumentieren im Mathematikunterricht – epistemologische und diskursive Herausforderungen

    Argumentieren, Begründen und Beweisen sind prozessbezogene Kompetenzen, bei denen die Diskrepanz zwischen Bildungsanspruch und unterrichtlicher Realität besonders groß ist. Dies ist in der deutschsprachigen und internationalen mathematikdidaktischen Forschung ein Konsens. Welche Gründe dabei ausschlaggebend sind, ist trotz des mittlerweile umfangreichen Forschungsstandes noch nicht abschließend geklärt. Im Vortrag werden zunächst epistemologische und diskursive Forschungsansätze aus der Mathematikdidaktik mit Blick auf diese Diskrepanz diskutiert. Darüber hinaus werden aktuelle philosophische und soziologische Ansätze aufgegriffen und der Versuch gemacht, damit neue Perspektiven für dieses bekannte Phänomen aufzuzeigen. Beispiele aktueller mathematikdidaktischer Forschung zeigen die Relevanz und den Gewinn dieser Perspektive, werfen aber auch damit verbundene neue Fragen auf.

  • Kristina Reiss

    Kristina Reiss

    Technische Universität München

    PISA Mathematische Kompetenzen im internationalen Vergleich

    Es ist inzwischen fast 20 Jahre her, dass die Öffentlichkeit durch die internationale Vergleichsstudie PISA aufgeschreckt wurde. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland zeigten in Mathematik, Lesen und den Naturwissenschaften Leistungen, die unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten lagen. Es war insbesondere die Ausrichtung der Studie an eher alltäglichen Anwendungsproblemen, die den Jugendlichen zu schaffen machte. Die Reaktionen in Gesellschaft und Politik waren zunächst aufgeregt, dann konsequent. Es wurden in zentralen Fächern bundesweite Bildungsstandards verabschiedet, Lehrpläne und Curricula kompetenzorientiert formuliert und regelmäßige Erhebungen zum Kenntnisstand in verschiedenen Klassenstufen bundesweit initiiert. Dieses Bildungsmonitoring auf nationaler Ebene ist ein fester, wenn auch nicht immer geliebter Bestandteil des schulischen Alltags geworden. Braucht es zusätzlich noch den internationalen Vergleich? Ist es tatsächlich wichtig, Staaten in Bezug auf Schulleistungen in eine Reihenfolge zu bringen, auch wenn sich schulische und gesellschaftliche Bedingungen sehr voneinander unterscheiden? Im Vortrag soll die Bedeutung von PISA für das Lehren und Lernen am Beispiel der Mathematik betrachtet und eine positive Antwort auf die Fragen begründet werden.

     

  • Susanne Schnell

    Susanne Schnell

    Universität Paderborn

    „Ich seh‘ da eigentlich etwas ganz anderes“ - Professionelle Wahrnehmung von Lehrkräften erfassen und entwickeln

    Um mathematische Lehr- und Lernprozesse angemessen anregen, begleiten und evaluieren zu können, müssen Lehrkräfte in komplexen Situationen schnell Entscheidungen treffen. Dabei werden bestimmte Aspekte als (ir-)relevant identifiziert und vor dem Hintergrund des bestehenden Wissens verortet. Unterrichtliche Ereignisse und Situationen auf eine professionstypische Weise wahrzunehmen und zu interpretieren, wird nach Goodwin als „Professionelle Wahrnehmung“ bezeichnet. Diese stellt einen bedeutenden Teil der professionellen Kompetenz von Lehrkräften dar, der nicht nur für die Aufklärung unterrichtlicher Bedingungen, sondern auch für die angemessene Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften eine zentrale Rolle spielt.

    Im Vortrag werden Vorgehensweisen und Ergebnisse verschiedener Projekte zur Erfassung und Förderung der professionellen Wahrnehmung von Lehrkräften vorgestellt. Dabei wird das Konstrukt in Hinblick auf unterschiedliche Professionalisierungsziele wie die Diagnose mathematischer Potenziale oder die Analyse von Schulbuchaufgaben ausgeschärft. Auf Grundlage der Ergebnisse werden Designprinzipien für Fortbildungen von Lehrkräften in Hinblick auf die professionelle Wahrnehmung diskutiert.

  • Abraham Arcavi

    Abraham Arcavi

    Weizmann Institute of Science (Israel)

     

    Making sense of sensemaking in mathematics education

    I will discuss and illustrate instances of sense making in learning and doing mathematics, and try to characterize its essence. I will show some informal products of students to portray the different ways in which students make (or fail to make) sense of mathematics and I will present some instructional principles which aim at supporting sensemaking as a habit of mind.

  • Anita Schilcher

    Anita Schilcher

    Universität Regensburg

    Sprache und Mathematik – ein mathematik-didaktisches Forschungsthema beleuchtet aus der Sicht der Deutschdidaktik

    „Kommunizieren“ ist seit Einführung der Bildungsstandards nicht mehr nur eine Kernkompetenz des Faches Deutsch, sondern spielt auch in vielen anderen Unterrichtsfächern eine zentrale Rolle. Zwar hat die Betrachtung sprachlicher Aspekte in der Mathematikdidaktik schon eine längere Tradition, diesbezügliche Forschungsarbeiten haben aber gerade in den letzten fünf Jahren noch einmal deutlich zugenommen. Im Vortrag soll ein systematischer Überblick über verschiedene Themenstränge gegeben werden, wobei sowohl sprachbezogene Schüler- als auch Lehrerkompetenzen in den Blick genommen werden. Dabei soll auch gezeigt werden, wie sprach- und mathematikdidaktischer Diskurs zueinander in Beziehung stehen.